Wellness Bummler

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Mosambik – (M)eine Reise mit Liebe

Es ist ziemlich schwer, sich die Situation in Afrika richtig vorzustellen, wenn man in Deutschland ist. Zu viele Eindrücke aus den Medien verfälschen den Blick auf den afrikanischen Kontinent. Daher bin ich auch mit einem teils falschen Blick nach Mosambik gereist. Ich wurde positiv überrascht und bin von der Liebe, die die Menschen vor Ort in sich tragen, beeindruckt.

Meine besondere Zeit in Mosambik…

Ich reiste mit meinem Handgepäck an Vorstellungen, Festlegungen, Enthusiasmus und Erwartungen nach Mosambik. Nach einer Flug, – und Transferzeit von 41 Stunden, tauchte ich hinein, in ein Abenteuer, das mein Leben nachhaltig veränderte. Meine deutsch geprägte Zurückhaltung wandelte sich sehr schnell, durch die Liebe und Warmherzigkeit der Menschen vor Ort.

In Mosambik habe ich in einem christlichen Camp mit rund 600 Waisen geholfen. Auch wenn die afrikanischen Uhren etwas anders ticken als in Deutschland, gab es für alle feste Regeln. Beeindruckend war für mich die Zufriedenheit, und trotz der vielen Schicksale, auch die Fröhlichkeit der Kinder.

Das Aufstehen findet jeden Tag gegen 6 Uhr statt, kurz darauf im Anschluss gibt es Frühstück. Dafür stellen sich alle Kinder des Camps an. Für die Kinder im Camp besteht das Frühstück aus Baguette und einem Becher sehr süßem Tee. Eingeläutet wird das morgendliche Ritual durch eine Sirene.

Waisen-Camp
Waisen-Camp

Während der Frühstücksausgabe geht es schon sehr laut und lebhaft im Camp zu. Es wird schon gesungen, geplappert und gelacht. Am allgemeinen Frühstück haben wir, als Helfer, so oft wie möglich teilgenommen. Auch in der Mittagspause waren wir dann immer direkt mit den Kindern des Camps zusammen. Wir haben zusammen gegessen und gesessen und uns – oft mit Händen und Füßen – unterhalten. Wirkliche Sprachbarrieren gab es dabei aber eigentlich nicht… :-)

Die festen Mitarbeiter (in der Regel einheimische Mosambikaner) im Camp sind meistens frühere Waisen, die bereits im Camp aufgewachsen sind oder aber es sind Christen, die aus der direkten Nachbarschaft kommen. Zusätzlich gibt es immer einige Volunteers im Camp, die in der Regel 3-4 Wochen vor Ort bleiben um zu helfen. Auch ich war eine dieser Helferinnen. Meine Aufgaben bezogen sich die meiste Zeit auf die Betreuung der Kinder im Waisen-Camp und auch auf das „Special Need House“.

Klare Grundsätze und Liebe regeln den Alltag der Camp-Kinder

Im „Special Need House“ leben nur Kinder mit einer Behinderung. Hier hat mich beispielsweise das Schicksal von Alfredo sehr beeindruckt. Ich durfte vor Ort die Mama von Alfredo kennenlernen. Sie mußte ihren Sohn abgeben, da sie ihn nicht mehr versorgen konnte. Um aber mit ihrem Sohn weiterhin Zeit verbringen zu können, arbeitet sie direkt im „Special Need House“. Durch die Arbeit verdient sie gleichzeitig auch noch so viel Geld, dass sie ihre Familie damit finanziell sehr gut unterstützen kann.

Neben dem „Spcial Need House“ befindet sich die Krankenstation. Hier werden die Kinder des Camps und auch die Familien und Kinder der Nachbarschaft kostenfrei medizinisch versorgt. Bilder, die ich nie vergessen werde, sind jene der unterernährten Kinder, die dort auf der Krankenstation hochgepäppelt wurden. Noch nie zuvor ertasteten meine Hände so zerbrechliche Menschen, deren Knochen zu spüren waren. Auch der Umgang mit Aidskindern gehörte zur Normalität und nur das medizinische Pflichtprogramm unterschied diese Kinder von den anderen, die über den Hof tobten und Ball spielten. Sich um alle diese Kinder zu kümmern und einfach mit ihnen zu spielen, gehört hier zum Alltag.

Gottesdienst im Camp
Gottesdienst im Camp

Die meiste Zeit habe ich mich im Babyhouse aufgehalten. Hier leben die Kleinkinder von 2 bis 4 Jahren. Diese Kinder sind so aufnahmefähig und lernen von einander das ABC, Schreiben und Zählen. Mosambikanische Helferinnen setzten sich mit den Kindern in kleinen Gruppen zusammen und unterrichten, basteln, singen u.s.w. Diese Mitarbeiter arbeiten nicht nur mit den Kindern voller Hingabe, sie lieben sie wie ihre Eigenen, geben ihnen die Wärme einer Familie – das erfüllte auch mein Herz.

Die Kinder wurden insgesamt in allen Bereichen mit Liebe, aber auch mit klaren Regeln und Grundsätzen erzogen. Wer zu spät zum Essen kam, stand dann halt auch mal vor verschlossener Tür. Somit hatten alle Kinder auch Achtung vor uns Volontären, was uns die Arbeit und den Umgang natürlich sehr erleichterte.

Herausforderung: Projektarbeit

Die wöchentlichen Ausschreibung der verschiedenen Projekte zum Mitarbeiten, ermöglichte mir den Einblick in den Beruf der Lehrer und Erzieher, der Lagerarbeit (für bedürftige Familien Grundnahrungsmittelboxen packen), und der Pflege.

Die Arbeit in diesen Projekten war immer sehr abwechslungsreich, hat sehr viel Spaß gemacht, war aber war auch oft eine große Herausforderung. So konnten wir ins Krankenhaus von Maputo fahren, einen Trip in ein anderes Camp unternehmen um uns dort andere Arbeiten anzuschauen, Foodboxen für bedürftigte Familien in der Nachbarschlaft mit Reis, Mehl u.s.w. packen und vieles mehr.

Eine Aufgabe, die ich mit am beeindruckendsten fand, war das Missionieren auf der Boccaria, im Krankenhaus und der Street Ministrier. Daher möchte ich diese drei Erfahrungen gerne mit euch teilen.

Projekt: Boccaria

Die Boccaria wirkt wie ein riesen Müllberg, der ungefähr die Grösse vom Hamburger Flughafen hat. Auf der Boccaria sieht man viele Kinder und auch Erwachsene. Sie sammeln „brauchbare“ Dinge – übrigens meistens auf nackten Füßen oder in dünnen Flip Flops. Der Geruch ist nur schwer zu ertragen und ich kann ihn hier nur schwer beschreiben. Dicke Qualm – Schwaden trugen den Geruch von Verwestem und Verbranntem mit sich.

Überall sind Brandherde zu sehen und zwischen den Müllgestank mischt sich Feuergeruch. Am Rande der Boccaaria hatten wir Blockhütten gebaut. In diesen Hütten leben Familien – Eltern mit ihren Kindern. Diese Hütten sind bereits die Luxus-Wohnvariante, denn die meisten Menschen leben hier in verbrannten Blechhütten. Diese werden aus Müll und Sackleinwänden, von den Bewohnern, selbst erbaut. In diesen Hütten haben wir Kranke und Verletzte besucht, die sich bei der Suche nach Lebensmittelresten und „wertvollen“ Müll Infektionen zugezogen haben.

Da Malaria und Aids weit verbreitet sind, galt diesen Erkrankten ebenfalls ein Besuch an ihrem Krankenbett. Dieses Bett bestand lediglich aus einem Tuch, auf dem ihre heißen, geschwächten Körper gebettet waren, meistens in unglaublich schmutziger Umgebung. Unser Auftrag war es, ihnen Medizin zu geben und für sie zu beten.

Müll so weit das Auge reicht
Müll so weit das Auge reicht

Am Rande der Boccaria haben wir Kindergottesdienst gehalten und eine Menge Spass mit den Kindern gehabt. Diese Kinder haben zwar Eltern, kennen aber wenig Geborgenheit und Liebe. Vor Läusen sollte man hier keine Angst haben, auch sie gehören zum Alltagsbild der Menschen am Rand der Gesellschaft.

Ich bin vielen Einheimische begegnet, die einem, trotz der einfachen und oft schweren Lebensumstände, unglaublich warmherzig entgegen getreten sind.

Projekt: Krankenhaus

In einem Staatlichen Krankenhaus Einsatz hatten wir die Möglichkeit für Kranke zu beten. Mein erster Besuch im Krankenhaus war auf einer Säuglingsstation wo Babys mit Wasserköpfen lagen. Meine Tränen flossen in Strömen, denn ich wusste, dass das eine oder andere Baby, welches ich hier sah, in den nächsten Tagen oder Monaten sterben würde. Doch das Sterben war überall präsent – offene Wunden und schlimmste Verletzungen, unter dramatischen hygienischen Bedingungen, ließen das Leid und eine geringe Lebenserwartung nur erahnen.

Projekt: Street Ministry

Wenn wir in der Street Ministry unterwegs waren, dann haben wir auch die Insassen im Gefängnis von Maputo besucht. Wir haben den Menschen Brot gegeben und ihnen von der Liebe Jesus erzählt. Es spendet ihnen Trost, wenn Sie wissen, dass ihnen, trotz der Sünden und Taten, verziehen wird.

Nach dem Besuch im Gefängnis ging es zu einer alten verwahrlosten portugiesischen Villa. Der Name „Villa Algarve“ – hier bereiten Jungendliche, auf einem kleinen Feuer, warmes Essen für sich zu. Die Villa ist umgeben von Müll. Es kommt einem praktisch so vor, als hätte man die Villa in einen Müllhaufen gebaut. Wir sassen auf dem Boden, im hinteren Bereich der Villa. Gemeinsam haben wir Lieder gesungen und es wurde eine kleine Predigt gehalten.

Villa mitten im Müll
Villa mitten im Müll

Ein paar Kilometer weiter, nur ein paar Blocks entfernt, befindet sich neben einem Hochhaus, eine Baugrube an einer Strassenecke. Ich folgte dem Pastor, der doch tatsächlich in diese Grube ging, die voller Müll war. Wir mussten uns am Müll festhalten um dort Halt beim Klettern zu finden. Unten angelangt, standen wir Volunteers und Helfer gemeinsam mit dem Pastor und einem Übersetzer im Kreis. Wir standen einfach da und fingen an ein Lied zu singen. Ich dachte, es wären nur kleine Müllberge um mich herum – Müllberge mit einer Höhe von ca. 2,50 Meter – doch es krochen Menschen aus dem Müll. Diese Menschen hatte ich beim Abstieg in die Grube gar nicht gesehen. Wir begrüssten sie herzlich mit Umarmungen und sangen gemeinsam weiter. Dann hielt der Pastor, mitten in diesem Müll eine Predigt. Im Laufe der Predigt habe ich Geräusche aufgenommen und mich umgeschaut. Ich sah bestimmt an die 15 Ratten, diese waren nur rund 2 Meter von mir entfernt. Die Ratten suchten anscheinend nach etwas Essbarem. Dazu kamen dann übrigens auch noch Kakerlaken, die auf dem Boden über meine Schuhe flitzten. Ich verhielt mich ruhig, trotz Ekel, denn die Menschen im Müll lauschten noch der Predigt und ich machte mir während dieser Erfahrung klar, dass die Menschen hier täglich in diesem Müll und Unrat leben mußten. Es war ein bizarres Bild eines Miteinanders! Ein Gottesdienst, der wohl ungewöhnlicher in seiner Zusammensetzung und Einzigartigkeit nicht sein konnte.

Mein Fazit: Entscheidungen, Liebe und Dankbarkeit

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum ich euch das Ganze hier erzähle und von meiner Reise und meinen Eindrücken berichte?

„Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, habt ihr es mir getan!“ Matt. 25.40

Der Auslandsaufenthalt war eine der besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe. Die Zeit in Mosambik hat mich sehr verändert. Denn auch, wenn ich nicht die Welt retten kann, kann ich meinen Teil dazu beitragen und hoffen, dass noch mehr Menschen zukünftig bereit sind etwas für „eine bessere Welt“ zu tun. Das Lachen ist in allen Sprachen gleich ob Deutsch, Englisch, Portugisisch oder Changan.

Gemeinsam singen
Gemeinsam singen

Vor Antritt meiner Reise habe ich von vielen Menschen Unterstützung erhalten, zum Beispiel in Form von Spenden. Denn parallel machte sich ein großer Behälter mit Kleidung, Spielzeug, Schulmaterial etc. auf den Weg nach Mosambik. Auch von Tanja (hier vom Wellness-Bummler) und einigen ihrer Freunde waren viele Sachen mit in dieser Fracht.

Ich soll allen Spendern ein ganz großes DANKESCHÖN von den Kindern und den Mitarbeitern aus dem Waisenhaus ausrichten. Alle Spenden wurden nach Kindesalter sortiert und an die Missionare (Camp-Eltern) übergeben. Diese verteilen die Kleidung dann unter den Kindern gerecht. Die Spielsachen in der Lieferung werden den Kindern zu Weihnachten geschenkt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie glücklich diese Kinder vor Ort durch solche Aktionen gemacht werden.

Die Kosten für den Flug für diese Reise habe ich selber übernommen. Die Unterkunft im Camp wird gestellt und auch an den „normalen“ Camp-Mahlzeiten dürfen wir als Helfer teilnehmen. Ein großes Dankeschön geht an meinen Arbeitgeber, für die Bereitstellung und Abwicklung der Luftfracht nach Mosambik und für den Sonderurlaub, den ich für diese Reise erhalten habe. Und auch an meine Kollegen, Freunde, Verwandten, Nachbarn und Bekannten ein großes Dankeschön, die mich mit zahlreichen Sach-Spenden bei dieser Aktion unterstützt haben.

Alle Bilder für diesen Beitrag wurden uns von Bummler-Patin Miriam zur Verfügung gestellt.

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Erschienen in: Afrika, Mosambik

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Taschenpate

Beitrag eines Taschenpaten

Reisefreudiger Taschenpate berichtet von seinen gemeinsamen Urlaubserlebnissen mit dem Wellness-Bummler.

Wir bedanken uns für die Patenschaft und Reisebegleitung bei Miriam.

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